Fänge & Federn

Greifvögel & Eulen · Jäger der Lüfte

Schneller als jeder ICE.

Greifvögel sehen schärfer als wir, packen mit Krallen zu, die ihre Beute nicht mehr loslassen, und stürzen sich mit über 300 km/h vom Himmel. Hier stehen die erstaunlichsten Fakten über Adler, Falken, Milane, Geier und Eulen – und am Rand ein paar, über die man schmunzeln muss.

km/h im Sturzflug
320+
Spannweite Seeadler
2,5 m
Höhenrekord
11.300 m
Ein Wanderfalke fliegt mit weit ausgebreiteten Flügeln direkt auf die Kamera zu, dahinter blauer Himmel
Wanderfalke auf der Jagd an den Klippen von Cape Baily, Australien. Foto: Kytabu · CC BY-SA 4.0

Das Rennen

Wer kommt in einer Sekunde am weitesten?

Wanderfalkeim Sturzflug · über 320 km/h
89 m
ICEHöchsttempo im Betrieb · 300 km/h
83 m
Steinadlerim Sturzflug · rund 240 km/h
67 m
Gepardim Sprint · rund 110 km/h
31 m
MenschWeltrekord-Sprint · 44 km/h
12 m
0 m255075100 m
Strecke, die in genau einer Sekunde zurückgelegt wird. Die Animation läuft in Echtzeit – eine Sekunde lang.

Arten

Sechs Jäger im Porträt

Greifvögel – Adler, Falken, Bussarde, Milane, Habichte und Geier – jagen am Tag. Eulen übernehmen die Nachtschicht. Die beiden Gruppen sind nicht näher miteinander verwandt, haben aber dieselben Werkzeuge entwickelt: scharfe Augen, einen Hakenschnabel und kräftige Krallen.

Ein Wanderfalke steht an einer Felswand neben seinem weißen, flauschigen Jungvogel

Falke

Wanderfalke

Falco peregrinus

Spannweite
bis 1,1 m
Gewicht
0,6–1,3 kg

Das schnellste Tier der Welt. Er brütet an Felswänden – und inzwischen auch mitten in Großstädten, an Kirchtürmen, Hochhäusern und Kraftwerken.

Rote Liste D: ungefährdetFoto: Georges Lignier · CC BY-SA 3.0
Ein Steinadler gleitet mit weit gespreizten Schwungfedern vor blauem Himmel

Adler

Steinadler

Aquila chrysaetos

Spannweite
1,9–2,3 m
Gewicht
3–6,5 kg

Jagt Murmeltiere, Hasen und sogar junge Gämsen. In Deutschland brüten nur rund 50 Paare, fast alle in den bayerischen Alpen.

Rote Liste D: extrem seltenFoto: Giles Laurent · CC BY-SA 4.0
Ein Seeadler mit weißem Schwanz fliegt über dem Wasser

Adler

Seeadler

Haliaeetus albicilla

Spannweite
bis 2,5 m
Gewicht
3–7 kg

Deutschlands größter Greifvogel, wegen seiner breiten Flügel auch „fliegendes Scheunentor“ genannt. Den weißen Schwanz trägt er erst mit etwa fünf Jahren.

Rote Liste D: ungefährdetFoto: Charles J. Sharp · CC BY-SA 4.0
Ein Rotmilan mit rostrotem, gegabeltem Schwanz im Flug vor blauem Himmel

Milan

Rotmilan

Milvus milvus

Spannweite
1,4–1,75 m
Gewicht
0,8–1,3 kg

Erkennbar am tief gegabelten, rostroten Schwanz. Mehr als die Hälfte aller Rotmilane der Welt brütet in Deutschland.

Rote Liste D: ungefährdetFoto: Thomas Kraft · CC BY-SA 2.5
Ein Turmfalke steht rüttelnd in der Luft, Flügel ausgebreitet und Schwanz gefächert

Falke

Turmfalke

Falco tinnunculus

Spannweite
65–82 cm
Gewicht
150–300 g

Steht beim Jagen scheinbar still in der Luft – er „rüttelt“. Brütet gern in Kirchtürmen, daher sein Name.

Rote Liste D: ungefährdetFoto: Pavel Sirotkin · CC BY-SA 4.0
Ein Uhu mit orangefarbenen Augen und Federohren sitzt auf dem Handschuh eines Falkners

Eule

Uhu

Bubo bubo

Spannweite
bis 1,9 m
Gewicht
1,5–4 kg

Eine der größten Eulen der Welt. Nachts jagt er fast lautlos Ratten, Igel, Enten und sogar andere Greifvögel.

Rote Liste D: ungefährdetFoto: Softeis · CC BY-SA 3.0

Körper

Waffen und Werkzeuge

Augen wie Ferngläser, Füße wie Zangen, ein Schnabel wie ein Messer: Der Körper eines Greifvogels ist auf eine einzige Aufgabe ausgelegt – Beute finden, packen und fressen.

Augen · mindestens 2× schärfer

Das Fernglas im Kopf

Ein Adlerauge ist ungefähr so groß wie ein Menschenauge – in einem viel kleineren Kopf. Greifvögel sehen mindestens doppelt so scharf wie wir. Ihre Netzhaut hat zwei Sehgruben: eine für den scharfen Blick nach vorn, eine für die Seite. So behalten sie Beute und Umgebung gleichzeitig im Blick.

Nahaufnahme vom Kopf eines Steinadlers mit bernsteinfarbenem Auge und gelbem Schnabelansatz
Steinadler aus nächster Nähe. Der Knochenwulst über dem Auge wirkt wie ein Sonnenschirm. Foto: Richard Bartz · CC BY-SA 2.5

Bestimmen

Wer kreist da über mir?

Vogelkundler erkennen Greifvögel oft schon an ihrem Umriss am Himmel: Flügelform, Schwanz und Größe verraten die Art. Die vier Umrisse sind maßstabsgleich gezeichnet. Tippe auf einen.

MäusebussardBreite, runde Flügel · Fächerschwanz

Der häufigste Greifvogel Deutschlands. Breite, abgerundete Flügel mit gespreizten „Fingern“ und ein kurzer, gefächerter Schwanz. Er kreist oft lange über Feldern und ruft dabei miauend „hiääh“.

UV-Sicht · umstritten

Mäusepipi leuchtet – oder doch nicht?

Wühlmäuse markieren ihre Wege mit Urin, der im UV-Licht schimmert. In den 1990ern zeigten Versuche, dass Turmfalken bevorzugt dort jagen, wo solche Spuren liegen – vermutlich, weil sie sie sehen. Neuere Messungen am Falkenauge zweifeln das an: Durch Hornhaut und Linse kommt wohl zu wenig UV-Licht, um die Spuren zuverlässig zu erkennen. Die Frage ist bis heute offen.

Fänge · bis 13 cm Kralle

Zangen statt Füße

In der Jägersprache heißen die Füße der Greifvögel „Fänge“. Sie packen mit enormer Kraft zu und töten die Beute oft schon beim Zugriff. Die hinteren Krallen der südamerikanischen Harpyie werden bis zu 13 Zentimeter lang – so lang wie die eines Grizzlybären.

Schnabel

Haken mit Zahn

Der Hakenschnabel reißt Fleisch in mundgerechte Stücke. Falken haben zusätzlich eine Kerbe im Oberschnabel, den „Falkenzahn“. Damit töten sie ihre Beute mit einem gezielten Biss ins Genick.

Größe · Weibchen bis ⅓ größer

Die Weibchen sind die Großen

Bei den meisten Greifvögeln sind die Weibchen deutlich größer als die Männchen, bei manchen Arten um ein Drittel. Falkner nennen das Männchen deshalb „Terzel“ – vom italienischen terzo, ein Drittel.

Kropf

Die Vorratstasche im Hals

Greifvögel haben einen Kropf, eine dehnbare Ausbuchtung der Speiseröhre. Dort lagern sie Nahrung zwischen, wenn sie mehr erbeutet haben, als sie auf einmal verdauen können. Ein voller Kropf ist als Beule an der Brust zu sehen. Eulen haben keinen.

Federn

Lautlos durch die Nacht

Eulenfedern haben kammartig gezackte Vorderkanten und eine samtige Oberfläche. Sie zerlegen die Luftwirbel, die sonst beim Fliegen rauschen. Eine Maus hört den Uhu erst, wenn es zu spät ist.

Jagd

Jede Art hat ihre Technik

Sturzflug, Stillstand in der Luft, Überfall aus dem Hinterhalt oder Jagd nach Gehör: Greifvögel und Eulen haben für fast jede Beute eine eigene Methode entwickelt.

Fischfang

Mit den Füßen voran ins Wasser

Der Fischadler stürzt sich aus 10 bis 30 Metern Höhe mit vorgestreckten Fängen ins Wasser und verschließt dabei die Nasenlöcher. Seine Außenzehe lässt sich nach hinten drehen, die Fußsohlen sind mit Dornen besetzt – so hält er glitschige Fische sicher. Die Beute trägt er stromlinienförmig, den Kopf nach vorn.

Ein Fischadler fliegt mit einem großen Fisch in den Krallen
Fischadler mit Beute. Den Fisch hält er mit beiden Fängen hintereinander – wie ein Torpedo. Foto: Tparkslope · CC BY-SA 4.0

Sturzflug · über 300 km/h

Der Pfeil vom Himmel

Der Wanderfalke steigt hoch über seine Beute, legt die Flügel an und stürzt sich hinab. Kleine Knochenzapfen in seinen Nasenlöchern bremsen vermutlich den Luftstrom, sodass er trotz des Tempos atmen kann. Seine Beute – meist Tauben und andere Vögel – schlägt er in der Luft.

Rütteln

Stillstand in der Luft

Der Turmfalke steht mit schnellen Flügelschlägen an einer Stelle über der Wiese. Sein Kopf bleibt dabei völlig ruhig, selbst wenn der Wind den Körper schüttelt – so behält er die Maus scharf im Blick.

Überfall

Angriff aus dem Hinterhalt

Habicht und Sperber jagen im Wald und zwischen Häusern. Mit kurzen, runden Flügeln und langem Schwanz schlagen sie blitzschnell Haken zwischen Ästen hindurch und überraschen kleinere Vögel im Überfall.

Knochenfresser · bis 90 %

Der Bartgeier frisst Knochen

Bis zu 90 Prozent seiner Nahrung sind Knochen. Große Stücke lässt er aus der Luft auf Felsen fallen, bis sie zerbrechen. Seine Magensäure ist so stark, dass sie Knochen in rund einem Tag auflöst.

Gehör

Jagen im Stockdunkeln

Schleiereulen fangen Mäuse allein nach Gehör, sogar in völliger Dunkelheit. Ihr herzförmiger Gesichtsschleier bündelt den Schall wie eine Satellitenschüssel, und weil die Ohröffnungen unterschiedlich hoch sitzen, ortet sie ein Rascheln auch in der Höhe genau.

Höhenrekord · 11.300 m

Höher als der Mount Everest

1973 stieß über der Elfenbeinküste ein Sperbergeier mit einem Flugzeug zusammen – in 11.300 Metern Höhe. Geier segeln auf warmen Aufwinden stundenlang, fast ohne einen Flügelschlag.

Leben

Horst, Brut und weite Reisen

Viele Greifvögel bleiben ein Leben lang mit demselben Partner zusammen und kehren Jahr für Jahr zum selben Nest zurück. So verläuft ein Jahr bei den Seeadlern in Deutschland.

Horst · bis 2 m Durchmesser

Ein Nest für Generationen

Seeadler bauen ihre Horste hoch in alten Bäumen und nutzen sie oft jahrzehntelang. Jedes Jahr kommt neues Material dazu, bis ein Horst zwei Meter breit werden und mehrere hundert Kilogramm wiegen kann.

Drei flauschige Seeadler-Küken sitzen in einem großen Nest aus Ästen
Drei Seeadler-Küken im Horst, Ukraine. Meist schaffen es ein bis zwei bis zum Ausfliegen. Foto: Maxim Gavrilyuk · CC BY-SA 3.0
  1. Dezember – Februar

    Balz und Horstbau

    Seeadler-Paare bleiben meist ein Leben lang zusammen. Im Winter bessern sie ihren Horst aus und zeigen spektakuläre Balzflüge – manchmal fassen sie sich dabei in der Luft an den Fängen und trudeln gemeinsam abwärts.

  2. Februar – April · rund 38 Tage

    Brutzeit

    Das Weibchen legt ein bis drei Eier. Beide Eltern brüten abwechselnd, rund 38 Tage lang – oft noch bei Schnee und Frost.

  3. April – Juli

    Nestlingszeit

    Die Küken wachsen rasant. Nach zehn bis zwölf Wochen wagen sie ihre ersten Flüge vom Horst.

  4. August – Herbst

    Aufbruch

    Die Jungadler bleiben noch einige Wochen in der Nähe der Eltern, dann streifen sie umher. Den weißen Schwanz der Erwachsenen tragen sie erst mit rund fünf Jahren.

Verantwortung · über 50 %

Ein deutscher Vogel

Mehr als die Hälfte aller Rotmilane der Welt brütet in Deutschland. Kaum ein Land trägt für eine Vogelart so viel Verantwortung – verschwindet er hier, ist er weltweit in Gefahr.

Stadtleben

Falken auf dem Kirchturm

Wanderfalken brüten heute auch in Großstädten – an Kirchtürmen, Hochhäusern und Kraftwerken. Hohe Gebäude ersetzen die Felswände, und Tauben gibt es in der Stadt reichlich.

Geschwister

Kain und Abel im Horst

Bei manchen Adlern, etwa beim Schreiadler, tötet das ältere Küken fast immer das jüngere. Das zweite Ei dient sozusagen als Reserve, falls das erste nicht schlüpft.

Zug · bis nach Afrika

Fernreisende

Viele Greifvögel ziehen im Herbst in den Süden. Wespenbussarde fliegen bis ins tropische Afrika. Über dem Bosporus oder der Straße von Gibraltar kann man an manchen Tagen Tausende ziehende Greifvögel sehen.

Schutz

Zurück in den Himmel

Mitte des 20. Jahrhunderts standen viele Greifvögel in Deutschland kurz vor dem Aus – vergiftet, abgeschossen, ihrer Horste beraubt. Heute gehören ihre Geschichten zu den größten Erfolgen des Naturschutzes.

  • ≈ 40

    Wanderfalken-Paare gab es Anfang der 1970er-Jahre noch in Westdeutschland. Das Insektengift DDT machte ihre Eierschalen so dünn, dass sie beim Brüten zerbrachen.

  • über 1.000

    Wanderfalken-Paare brüten heute wieder in Deutschland – nach dem DDT-Verbot 1972 und jahrzehntelangem Schutz ihrer Brutplätze.

  • 2021

    wurden die ersten Bartgeier in Deutschland ausgewildert, im Nationalpark Berchtesgaden. In den Alpen war die Art rund hundert Jahre zuvor ausgerottet worden.

Ein Bartgeier mit rostrotem Brustgefieder gleitet vor einer Felswand
Bartgeier im Schweizer Wallis. Seit 1986 werden die Knochenfresser in den Alpen wieder angesiedelt. Foto: Giles Laurent · CC BY-SA 4.0

Neue GefahrenHeute sterben Greifvögel vor allem an Windrädern, Stromleitungen und im Straßenverkehr – und an Blei: Seeadler fressen Reste von geschossenem Wild und vergiften sich an Munitionssplittern. Auch illegale Giftköder und Abschüsse kommen immer noch vor.

Was hilftBleifreie Munition, vogelsichere Strommasten und Windräder mit Abstand zu Brutplätzen. Und für jeden: In der Brutzeit Horste weiträumig meiden – Störungen können dazu führen, dass die Eltern ihr Gelege aufgeben.

Kurioses

Zum Schluss: das Lustige

Nicht alles an Greifvögeln ist majestätisch. Manches ist einfach herrlich absurd.

  • Feuerfalken

    In Australien tragen Milane und Habichtfalken brennende Zweige davon und lassen sie ins trockene Gras fallen. Das Feuer treibt Mäuse und Insekten aus dem Versteck – ein Buffet für die Brandstifter.

  • Bartgeier mit Make-up

    Bartgeier sind von Natur aus weiß-grau an Kopf und Brust. Ihr rostrotes Gefieder kommt von Schlammbädern in eisenhaltiger Erde – Forscher vermuten eine Art Statussymbol.

  • Eulen drehen durch

    Eulen können ihren Kopf um bis zu 270 Grad drehen. Nötig ist das, weil ihre röhrenförmigen Augen fest im Schädel sitzen und sich nicht bewegen lassen.

  • Adler gegen Drohnen

    Die niederländische Polizei trainierte 2016 Adler darauf, Drohnen aus der Luft zu pflücken. Nach rund einem Jahr wurde das Projekt beendet – die Vögel taten nicht immer, was sie sollten.

  • Falken mit Reisepass

    In den Vereinigten Arabischen Emiraten bekommen Jagdfalken eigene Reisepässe. Manche Fluggesellschaften lassen sie sogar in der Kabine mitfliegen.

  • Näher am Papagei

    Erbgut-Analysen zeigen: Falken sind näher mit Papageien und Singvögeln verwandt als mit Adlern und Habichten. Die Ähnlichkeit ist nur dieselbe Lösung für denselben Job.

  • Kotzen als Verteidigung

    Truthahngeier, die sich bedroht fühlen, erbrechen ihre halb verdaute Mahlzeit. Das stinkt fürchterlich, schreckt Angreifer ab und macht den Geier leichter für einen schnellen Start.

  • Der Tritt des Sekretärs

    Der afrikanische Sekretär, ein langbeiniger Greifvogel, tötet Schlangen mit Fußtritten. Messungen ergaben: Ein Tritt trifft mit dem Fünffachen seines Körpergewichts – in nur 15 Millisekunden.

  • Die fette Henne

    Der große Bundesadler an der Stirnwand im Plenarsaal des Bundestags ist so rundlich geraten, dass er den Spitznamen „fette Henne“ trägt.