Falke
Wanderfalke
Falco peregrinus
- Spannweite
- bis 1,1 m
- Gewicht
- 0,6–1,3 kg
Das schnellste Tier der Welt. Er brütet an Felswänden – und inzwischen auch mitten in Großstädten, an Kirchtürmen, Hochhäusern und Kraftwerken.
Greifvögel & Eulen · Jäger der Lüfte
Greifvögel sehen schärfer als wir, packen mit Krallen zu, die ihre Beute nicht mehr loslassen, und stürzen sich mit über 300 km/h vom Himmel. Hier stehen die erstaunlichsten Fakten über Adler, Falken, Milane, Geier und Eulen – und am Rand ein paar, über die man schmunzeln muss.
Das Rennen
Arten
Greifvögel – Adler, Falken, Bussarde, Milane, Habichte und Geier – jagen am Tag. Eulen übernehmen die Nachtschicht. Die beiden Gruppen sind nicht näher miteinander verwandt, haben aber dieselben Werkzeuge entwickelt: scharfe Augen, einen Hakenschnabel und kräftige Krallen.
Falke
Falco peregrinus
Das schnellste Tier der Welt. Er brütet an Felswänden – und inzwischen auch mitten in Großstädten, an Kirchtürmen, Hochhäusern und Kraftwerken.
Adler
Aquila chrysaetos
Jagt Murmeltiere, Hasen und sogar junge Gämsen. In Deutschland brüten nur rund 50 Paare, fast alle in den bayerischen Alpen.
Adler
Haliaeetus albicilla
Deutschlands größter Greifvogel, wegen seiner breiten Flügel auch „fliegendes Scheunentor“ genannt. Den weißen Schwanz trägt er erst mit etwa fünf Jahren.
Milan
Milvus milvus
Erkennbar am tief gegabelten, rostroten Schwanz. Mehr als die Hälfte aller Rotmilane der Welt brütet in Deutschland.
Falke
Falco tinnunculus
Steht beim Jagen scheinbar still in der Luft – er „rüttelt“. Brütet gern in Kirchtürmen, daher sein Name.
Eule
Bubo bubo
Eine der größten Eulen der Welt. Nachts jagt er fast lautlos Ratten, Igel, Enten und sogar andere Greifvögel.
Körper
Augen wie Ferngläser, Füße wie Zangen, ein Schnabel wie ein Messer: Der Körper eines Greifvogels ist auf eine einzige Aufgabe ausgelegt – Beute finden, packen und fressen.
Augen · mindestens 2× schärfer
Ein Adlerauge ist ungefähr so groß wie ein Menschenauge – in einem viel kleineren Kopf. Greifvögel sehen mindestens doppelt so scharf wie wir. Ihre Netzhaut hat zwei Sehgruben: eine für den scharfen Blick nach vorn, eine für die Seite. So behalten sie Beute und Umgebung gleichzeitig im Blick.
Bestimmen
Vogelkundler erkennen Greifvögel oft schon an ihrem Umriss am Himmel: Flügelform, Schwanz und Größe verraten die Art. Die vier Umrisse sind maßstabsgleich gezeichnet. Tippe auf einen.
MäusebussardBreite, runde Flügel · Fächerschwanz
Der häufigste Greifvogel Deutschlands. Breite, abgerundete Flügel mit gespreizten „Fingern“ und ein kurzer, gefächerter Schwanz. Er kreist oft lange über Feldern und ruft dabei miauend „hiääh“.
UV-Sicht · umstritten
Wühlmäuse markieren ihre Wege mit Urin, der im UV-Licht schimmert. In den 1990ern zeigten Versuche, dass Turmfalken bevorzugt dort jagen, wo solche Spuren liegen – vermutlich, weil sie sie sehen. Neuere Messungen am Falkenauge zweifeln das an: Durch Hornhaut und Linse kommt wohl zu wenig UV-Licht, um die Spuren zuverlässig zu erkennen. Die Frage ist bis heute offen.
Fänge · bis 13 cm Kralle
In der Jägersprache heißen die Füße der Greifvögel „Fänge“. Sie packen mit enormer Kraft zu und töten die Beute oft schon beim Zugriff. Die hinteren Krallen der südamerikanischen Harpyie werden bis zu 13 Zentimeter lang – so lang wie die eines Grizzlybären.
Schnabel
Der Hakenschnabel reißt Fleisch in mundgerechte Stücke. Falken haben zusätzlich eine Kerbe im Oberschnabel, den „Falkenzahn“. Damit töten sie ihre Beute mit einem gezielten Biss ins Genick.
Größe · Weibchen bis ⅓ größer
Bei den meisten Greifvögeln sind die Weibchen deutlich größer als die Männchen, bei manchen Arten um ein Drittel. Falkner nennen das Männchen deshalb „Terzel“ – vom italienischen terzo, ein Drittel.
Kropf
Greifvögel haben einen Kropf, eine dehnbare Ausbuchtung der Speiseröhre. Dort lagern sie Nahrung zwischen, wenn sie mehr erbeutet haben, als sie auf einmal verdauen können. Ein voller Kropf ist als Beule an der Brust zu sehen. Eulen haben keinen.
Federn
Eulenfedern haben kammartig gezackte Vorderkanten und eine samtige Oberfläche. Sie zerlegen die Luftwirbel, die sonst beim Fliegen rauschen. Eine Maus hört den Uhu erst, wenn es zu spät ist.
Jagd
Sturzflug, Stillstand in der Luft, Überfall aus dem Hinterhalt oder Jagd nach Gehör: Greifvögel und Eulen haben für fast jede Beute eine eigene Methode entwickelt.
Fischfang
Der Fischadler stürzt sich aus 10 bis 30 Metern Höhe mit vorgestreckten Fängen ins Wasser und verschließt dabei die Nasenlöcher. Seine Außenzehe lässt sich nach hinten drehen, die Fußsohlen sind mit Dornen besetzt – so hält er glitschige Fische sicher. Die Beute trägt er stromlinienförmig, den Kopf nach vorn.
Sturzflug · über 300 km/h
Der Wanderfalke steigt hoch über seine Beute, legt die Flügel an und stürzt sich hinab. Kleine Knochenzapfen in seinen Nasenlöchern bremsen vermutlich den Luftstrom, sodass er trotz des Tempos atmen kann. Seine Beute – meist Tauben und andere Vögel – schlägt er in der Luft.
Rütteln
Der Turmfalke steht mit schnellen Flügelschlägen an einer Stelle über der Wiese. Sein Kopf bleibt dabei völlig ruhig, selbst wenn der Wind den Körper schüttelt – so behält er die Maus scharf im Blick.
Überfall
Habicht und Sperber jagen im Wald und zwischen Häusern. Mit kurzen, runden Flügeln und langem Schwanz schlagen sie blitzschnell Haken zwischen Ästen hindurch und überraschen kleinere Vögel im Überfall.
Knochenfresser · bis 90 %
Bis zu 90 Prozent seiner Nahrung sind Knochen. Große Stücke lässt er aus der Luft auf Felsen fallen, bis sie zerbrechen. Seine Magensäure ist so stark, dass sie Knochen in rund einem Tag auflöst.
Gehör
Schleiereulen fangen Mäuse allein nach Gehör, sogar in völliger Dunkelheit. Ihr herzförmiger Gesichtsschleier bündelt den Schall wie eine Satellitenschüssel, und weil die Ohröffnungen unterschiedlich hoch sitzen, ortet sie ein Rascheln auch in der Höhe genau.
Höhenrekord · 11.300 m
1973 stieß über der Elfenbeinküste ein Sperbergeier mit einem Flugzeug zusammen – in 11.300 Metern Höhe. Geier segeln auf warmen Aufwinden stundenlang, fast ohne einen Flügelschlag.
Leben
Viele Greifvögel bleiben ein Leben lang mit demselben Partner zusammen und kehren Jahr für Jahr zum selben Nest zurück. So verläuft ein Jahr bei den Seeadlern in Deutschland.
Horst · bis 2 m Durchmesser
Seeadler bauen ihre Horste hoch in alten Bäumen und nutzen sie oft jahrzehntelang. Jedes Jahr kommt neues Material dazu, bis ein Horst zwei Meter breit werden und mehrere hundert Kilogramm wiegen kann.
Dezember – Februar
Seeadler-Paare bleiben meist ein Leben lang zusammen. Im Winter bessern sie ihren Horst aus und zeigen spektakuläre Balzflüge – manchmal fassen sie sich dabei in der Luft an den Fängen und trudeln gemeinsam abwärts.
Februar – April · rund 38 Tage
Das Weibchen legt ein bis drei Eier. Beide Eltern brüten abwechselnd, rund 38 Tage lang – oft noch bei Schnee und Frost.
April – Juli
Die Küken wachsen rasant. Nach zehn bis zwölf Wochen wagen sie ihre ersten Flüge vom Horst.
August – Herbst
Die Jungadler bleiben noch einige Wochen in der Nähe der Eltern, dann streifen sie umher. Den weißen Schwanz der Erwachsenen tragen sie erst mit rund fünf Jahren.
Verantwortung · über 50 %
Mehr als die Hälfte aller Rotmilane der Welt brütet in Deutschland. Kaum ein Land trägt für eine Vogelart so viel Verantwortung – verschwindet er hier, ist er weltweit in Gefahr.
Stadtleben
Wanderfalken brüten heute auch in Großstädten – an Kirchtürmen, Hochhäusern und Kraftwerken. Hohe Gebäude ersetzen die Felswände, und Tauben gibt es in der Stadt reichlich.
Geschwister
Bei manchen Adlern, etwa beim Schreiadler, tötet das ältere Küken fast immer das jüngere. Das zweite Ei dient sozusagen als Reserve, falls das erste nicht schlüpft.
Zug · bis nach Afrika
Viele Greifvögel ziehen im Herbst in den Süden. Wespenbussarde fliegen bis ins tropische Afrika. Über dem Bosporus oder der Straße von Gibraltar kann man an manchen Tagen Tausende ziehende Greifvögel sehen.
Schutz
Mitte des 20. Jahrhunderts standen viele Greifvögel in Deutschland kurz vor dem Aus – vergiftet, abgeschossen, ihrer Horste beraubt. Heute gehören ihre Geschichten zu den größten Erfolgen des Naturschutzes.
Wanderfalken-Paare gab es Anfang der 1970er-Jahre noch in Westdeutschland. Das Insektengift DDT machte ihre Eierschalen so dünn, dass sie beim Brüten zerbrachen.
Wanderfalken-Paare brüten heute wieder in Deutschland – nach dem DDT-Verbot 1972 und jahrzehntelangem Schutz ihrer Brutplätze.
wurden die ersten Bartgeier in Deutschland ausgewildert, im Nationalpark Berchtesgaden. In den Alpen war die Art rund hundert Jahre zuvor ausgerottet worden.
Neue GefahrenHeute sterben Greifvögel vor allem an Windrädern, Stromleitungen und im Straßenverkehr – und an Blei: Seeadler fressen Reste von geschossenem Wild und vergiften sich an Munitionssplittern. Auch illegale Giftköder und Abschüsse kommen immer noch vor.
Was hilftBleifreie Munition, vogelsichere Strommasten und Windräder mit Abstand zu Brutplätzen. Und für jeden: In der Brutzeit Horste weiträumig meiden – Störungen können dazu führen, dass die Eltern ihr Gelege aufgeben.
Kurioses
Nicht alles an Greifvögeln ist majestätisch. Manches ist einfach herrlich absurd.
In Australien tragen Milane und Habichtfalken brennende Zweige davon und lassen sie ins trockene Gras fallen. Das Feuer treibt Mäuse und Insekten aus dem Versteck – ein Buffet für die Brandstifter.
Bartgeier sind von Natur aus weiß-grau an Kopf und Brust. Ihr rostrotes Gefieder kommt von Schlammbädern in eisenhaltiger Erde – Forscher vermuten eine Art Statussymbol.
Eulen können ihren Kopf um bis zu 270 Grad drehen. Nötig ist das, weil ihre röhrenförmigen Augen fest im Schädel sitzen und sich nicht bewegen lassen.
Die niederländische Polizei trainierte 2016 Adler darauf, Drohnen aus der Luft zu pflücken. Nach rund einem Jahr wurde das Projekt beendet – die Vögel taten nicht immer, was sie sollten.
In den Vereinigten Arabischen Emiraten bekommen Jagdfalken eigene Reisepässe. Manche Fluggesellschaften lassen sie sogar in der Kabine mitfliegen.
Erbgut-Analysen zeigen: Falken sind näher mit Papageien und Singvögeln verwandt als mit Adlern und Habichten. Die Ähnlichkeit ist nur dieselbe Lösung für denselben Job.
Truthahngeier, die sich bedroht fühlen, erbrechen ihre halb verdaute Mahlzeit. Das stinkt fürchterlich, schreckt Angreifer ab und macht den Geier leichter für einen schnellen Start.
Der afrikanische Sekretär, ein langbeiniger Greifvogel, tötet Schlangen mit Fußtritten. Messungen ergaben: Ein Tritt trifft mit dem Fünffachen seines Körpergewichts – in nur 15 Millisekunden.
Der große Bundesadler an der Stirnwand im Plenarsaal des Bundestags ist so rundlich geraten, dass er den Spitznamen „fette Henne“ trägt.