Tinte & Tentakel

Octopoda · rund 300 Arten · alle Ozeane

Drei Herzen. Blaues Blut. Arme, die mitdenken.

Kraken haben keinen einzigen Knochen, schmecken mit ihren Saugnäpfen und verschwinden in Sekundenbruchteilen vor fast jedem Hintergrund. Hier stehen die erstaunlichsten Fakten über Oktopusse – und am Rand ein paar, über die man schmunzeln muss.

Herzen
3
Nervenzellen
≈ 500 Mio.
davon in den Armen
⅔
Ein Kokosnuss-Oktopus sitzt auf dem Sandboden zwischen einer Kokosnussschale und einer Muschel
Ein Kokosnuss-Oktopus vor der Küste Osttimors mit seinem tragbaren Versteck. Das Foto gehört zu den exzellenten Bildern auf Wikimedia Commons. Foto: Nick Hobgood · CC BY-SA 3.0
Tarn-Maschine Ein gezeichneter Krake übernimmt Farbe und Muster des gewählten Untergrunds – Sand, Korallen, Seegras oder Fels – und ist dann kaum noch zu sehen. Nur die Augen verraten ihn. Tarn-Maschine
Wähl einen Untergrund: Der Krake passt Farbe und Muster an. Echte Kraken schaffen das in Sekundenbruchteilen – nur die Augen verraten sie oft.

Körper

Gebaut ohne Knochen

Kraken gehören zu den Weichtieren – ihre nächsten Verwandten sind Tintenfische und Kalmare, weiter entfernt auch Schnecken und Muscheln. Doch ihr Körper ist so ungewöhnlich, dass er manchmal wie aus einem Science-Fiction-Film wirkt.

Saugnäpfe · Hunderte pro Arm

Schmecken mit den Fingerspitzen

Jeder Arm trägt Hunderte Saugnäpfe, und jeder davon ist mit Sinneszellen gespickt. Damit tastet ein Krake nicht nur, er schmeckt auch, was er berührt. Forscher entdeckten 2020 in den Saugnäpfen eigene „Geschmacks-Sensoren“. Ein Krake, der in eine Felsspalte greift, weiß also sofort, ob sich dort ein Krebs versteckt – ganz ohne hinzusehen.

Ein roter Krakenarm mit zwei Reihen heller Saugnäpfe, im Hintergrund ein Aquarium
Zwei Reihen Saugnäpfe – jeder einzelne kann greifen, tasten und schmecken. Foto: Betty Wills (Atsme) · CC BY-SA 4.0

Herzen · 3

Drei Herzen – und eins macht Pause

Zwei kleine Herzen pumpen das Blut durch die Kiemen, ein drittes versorgt den übrigen Körper. Beim Schwimmen setzt dieses Körperherz kurz aus. Vielleicht krabbeln Kraken auch deshalb lieber über den Meeresboden, statt zu schwimmen.

Blut · Kupfer statt Eisen

Blaues Blut

Unser Blut transportiert Sauerstoff mit dem eisenhaltigen Hämoglobin – deshalb ist es rot. Kraken nutzen dafür Hämocyanin, das Kupfer enthält. Beladen mit Sauerstoff ist ihr Blut blau.

Knochen · 0

Durch jede Lücke

Das einzige harte Teil am ganzen Körper ist der Schnabel. Passt er durch eine Öffnung, passt meist auch der Rest hindurch. Deshalb sind Kraken berüchtigte Ausbrecher – und kaum ein Aquarium-Deckel ist ihnen dicht genug.

Schnabel & Gift

Ein Papageienschnabel mit Gift

Mitten zwischen den Armen sitzt ein scharfer, papageienartiger Schnabel. Damit knacken Kraken Krebspanzer und Muschelschalen. Fast alle Arten haben dazu Gift im Speichel – für Menschen wirklich gefährlich sind aber nur wenige, allen voran der Blaugeringelte Krake.

Augen

Augen ohne blinden Fleck

Krakenaugen ähneln unseren erstaunlich, obwohl sie sich völlig unabhängig entwickelt haben. Einen Unterschied gibt es: Der Sehnerv liegt hinter der Netzhaut statt davor. Kraken haben deshalb keinen blinden Fleck.

Rückstoß & Tinte

Flucht mit Düse und Nebelbombe

Bei Gefahr presst ein Krake Wasser durch einen Trichter und schießt per Rückstoß davon. Dazu stößt er eine Tintenwolke aus. Manchmal formt sie einen schwebenden Klecks, der ungefähr so groß ist wie der Krake selbst – ein Doppelgänger, auf den Angreifer hereinfallen.

Nachwuchs für den Arm

Arme wachsen nach

Verliert ein Krake einen Arm, etwa an einen hungrigen Fisch, wächst an derselben Stelle ein neuer nach – samt Saugnäpfen, Nerven und Muskeln.

Tarnung

Meister des Verschwindens

Kaum ein Tier tarnt sich so perfekt wie ein Krake. Er ändert nicht nur die Farbe, sondern auch Muster, Helligkeit und sogar die Oberfläche seiner Haut – und das schneller, als wir blinzeln.

Suchbild

Findest du ihn?

Auf dem Foto sitzt ein Gewöhnlicher Krake mitten zwischen Algen und Steinen. Seine Haut steckt voller winziger Farbbeutel, den Chromatophoren. Jeder ist von Muskeln umgeben, die ihn in Sekundenbruchteilen auseinanderziehen oder schrumpfen lassen. Darunter liegen Zellen, die Licht spiegeln oder streuen. Zusammen ergibt das eine Haut, die wie ein Bildschirm funktioniert.

Tipp: Such nach dem Auge in der Bildmitte.

Ein gut getarnter Krake zwischen Algen und Steinen am Meeresgrund – er ist nur am Auge zu erkennen
Gewöhnlicher Krake im Naturpark Arrábida, Portugal. Foto: Diego Delso · CC BY-SA 4.0

Hautrelief

Haut in 3D

Kraken können kleine Hautzipfel, die Papillen, aufstellen oder glätten. So wird aus glatter Haut in Sekunden eine raue Oberfläche, die aussieht wie ein Stein, eine Koralle oder ein Büschel Algen.

Rätsel · noch ungelöst

Farbenblind – und trotzdem Farbkünstler

Die meisten Kraken haben in ihren Augen nur eine Sorte Sehzellen und gelten deshalb als farbenblind. Wie sie trotzdem Farben so genau nachahmen, ist ein Rätsel. Eine Idee: Ihre ungewöhnlich geformten Pupillen könnten Farben über kleine Unschärfen verraten. Eine andere: Auch die Haut selbst reagiert auf Licht.

Warnsignal

Erschrecken statt verstecken

Hilft Tarnung nicht mehr, machen manche Kraken das Gegenteil: Sie werden schlagartig blass, dunkeln die Augenränder ab oder lassen Farbwellen über den Körper laufen. Der plötzliche Wechsel soll Angreifer verwirren – probier es oben mit dem Knopf „Erschrecken!“ aus.

Werkzeug

Das Haus zum Mitnehmen

Kokosnuss-Oktopusse sammeln leere Kokosnussschalen und Muscheln, tragen sie unter dem Körper mit sich herum und klappen sie bei Gefahr über sich zusammen. Forscher beschrieben das 2009 als Werkzeuggebrauch – eine Premiere bei wirbellosen Tieren.

Köpfchen

Klug auf ganz eigene Art

Kraken lösen Rätsel, erkennen Menschen wieder und spielen. Das Erstaunliche: Ihre Intelligenz hat sich völlig unabhängig von der unseren entwickelt – unser letzter gemeinsamer Vorfahre war ein wurmartiges Tierchen vor rund 600 Millionen Jahren.

Nervenzellen · rund 500 Millionen

Denken mit den Armen

Ein Gewöhnlicher Krake hat etwa 500 Millionen Nervenzellen – ungefähr so viele, wie ein Hund in seiner Großhirnrinde hat. Doch nur rund ein Drittel davon sitzt im Gehirn. Die übrigen zwei Drittel verteilen sich auf die acht Arme. Jeder Arm kann dadurch tasten, schmecken und einfache Entscheidungen ein Stück weit selbst treffen.

Wo sitzen die Nervenzellen?

Jeder der acht Arme hat ein eigenes dichtes Nervengeflecht – ein bisschen wie acht kleine Mitdenker.

Knobeln

Schraubgläser? Kein Problem.

In Aquarien lernen Kraken, Schraubgläser zu öffnen, um an einen Krebs darin zu kommen. Manche schaffen es sogar von innen, wenn sie selbst im Glas sitzen.

Gedächtnis

Sie erkennen Menschen wieder

In einem Versuch im Seattle Aquarium begegneten Pazifische Riesenkraken immer wieder zwei gleich gekleideten Menschen: einer fütterte sie, der andere stupste sie mit einer Borste an. Schon nach einer Woche verhielten sich die Kraken gegenüber beiden unterschiedlich – manche richteten ihren Wasserstrahl gezielt auf die unfreundliche Person.

Schlaf

Träumen in Farbe?

Kraken schlafen in zwei Phasen. In der „aktiven“ Phase zucken Arme und Augen, und Farbmuster huschen über die Haut – ähnlich denen, die sie auch im Wachzustand zeigen. Ob sie dabei so etwas wie träumen, weiß niemand. Spannend finden Forscher es trotzdem.

Teamarbeit · mit Fausthieben

Jagen mit Fischen

Im Roten Meer jagen Kraken manchmal gemeinsam mit Fischen wie Zackenbarschen. Filmaufnahmen zeigten: Drängelt sich ein Fisch zu sehr vor, bekommt er vom Kraken einen schnellen Hieb mit dem Arm.

Gefühle

Offiziell fühlende Wesen

Seit 2022 erkennt Großbritannien Kraken und andere Kopffüßer per Gesetz als empfindungsfähige Tiere an. Grundlage war ein Gutachten, das über 300 Studien auswertete. In der EU sind Kopffüßer schon seit 2010 bei Tierversuchen geschützt.

Spieltrieb

Spielen, einfach so

Kraken in Aquarien schubsen Gegenstände wiederholt in eine Wasserströmung und fangen sie wieder auf – ohne dass es dafür Futter gibt. Viele Forscher werten das als eine Form von Spiel.

Arten

Sechs Kraken im Porträt

Von der Größe eines Golfballs bis zu mehr als vier Metern Armspannweite, vom Korallenriff bis in die Tiefsee: Rund 300 Krakenarten sind bekannt – und immer noch werden neue entdeckt.

Ein Krake von oben, die Arme eingerollt, perfekt getarnt auf einem Boden aus kleinen Steinen

Mittelmeer & Atlantik

Gewöhnlicher Krake

Octopus vulgaris

Länge mit Armen
bis ca. 1,3 m
Gewicht
meist 1–3 kg, bis 10 kg

Der Krake aus dem Mittelmeer – und das am besten erforschte Kopffüßer-Tier. Vieles, was wir über das Lernen und die Tarnung von Kraken wissen, stammt aus Versuchen mit ihm.

Foto: Diego Delso · CC BY-SA 4.0
Ein großer, rotbrauner Pazifischer Riesenkrake breitet seine Arme über Felsen im Aquarium aus

Nordpazifik

Pazifischer Riesenkrake

Enteroctopus dofleini

Armspannweite
über 4 m möglich
Gewicht
meist um 15 kg

Die größte Krakenart der Welt. Mit drei bis fünf Jahren lebt sie für einen Kraken sehr lange – und sie erkennt einzelne Menschen wieder.

Foto: Bachrach44 · CC0
Ein kleiner gelblicher Krake mit leuchtend blauen Ringen auf der Haut sitzt auf einem Korallenriff

Indopazifik · giftig

Blaugeringelter Krake

Hapalochlaena

Körper
etwa golfballgroß
Gift
Tetrodotoxin

Einer der giftigsten Meeresbewohner. Sein Biss kann einen Menschen lähmen, ein Gegengift gibt es nicht. Die blauen Ringe leuchten erst richtig auf, wenn er sich bedroht fühlt – eine deutliche Warnung.

Foto: Jens Petersen · CC BY 2.5
Ein braun-weiß gestreifter Mimik-Oktopus liegt ausgestreckt auf dunklem Sand

Indonesien & Umgebung

Mimik-Oktopus

Thaumoctopus mimicus

Länge mit Armen
bis ca. 60 cm
Entdeckt
1998

Der Verwandlungskünstler ahmt gefährliche Tiere nach: Er gleitet flach wie eine Flunder übers Wasser, spreizt die Arme wie die Giftstacheln eines Rotfeuerfischs oder lässt zwei gestreifte Arme wie Seeschlangen tanzen.

Foto: Rickard Zerpe · CC BY 2.0
Ein Kokosnuss-Oktopus späht aus einer Kokosnussschale auf sandigem Grund

Indopazifik

Kokosnuss-Oktopus

Amphioctopus marginatus

Körper
etwa 8 cm
Spezialität
Werkzeuge

Trägt Kokosnussschalen und Muscheln als tragbares Versteck mit sich herum. Und manchmal läuft er dabei auf nur zwei Armen über den Sand – wie auf Beinen.

Foto: Rickard Zerpe · CC BY 2.0
Ein heller Dumbo-Oktopus mit zwei ohrenartigen Flossen schwebt im dunklen Wasser der Tiefsee

Tiefsee weltweit

Dumbo-Oktopus

Grimpoteuthis

Größe
meist 20–30 cm
Tiefenrekord
fast 7.000 m

Paddelt mit zwei Flossen, die an Elefantenohren erinnern – daher der Name nach Disneys fliegendem Elefanten. 2020 berichteten Forscher von einem Dumbo-Oktopus, den sie in fast 7.000 Metern Tiefe gefilmt hatten: Rekord für Kraken.

Foto: NOAA Okeanos Explorer · gemeinfrei

Leben

Kurz, intensiv – und mit einem großen Opfer

Die meisten Kraken leben nur ein bis zwei Jahre. Sie pflanzen sich ein einziges Mal fort – und für die Mutter ist das zugleich das Ende. So verläuft ein Krakenleben am Beispiel des Gewöhnlichen Kraken.

  1. Paarung

    Ein Arm als Liebesbote

    Das Männchen hat einen besonderen Arm, den Hektokotylus. Mit ihm übergibt es dem Weibchen ein Samenpaket – oft mit ausgestrecktem Arm und so viel Abstand wie möglich. Einige Wochen bis Monate später stirbt das Männchen.

  2. Eiablage

    Hunderttausende Eier

    Das Weibchen zieht sich in eine Höhle zurück und heftet dort Schnüre mit Zehntausenden bis Hunderttausenden winzigen Eiern an die Decke.

    Ein Blaugeringelter Krake hält ein Bündel heller Eier zwischen seinen Armen
    Blaugeringelte Kraken tragen ihre Eier sogar zwischen den Armen mit sich herum. Foto: Rickard Zerpe · CC BY-SA 2.0
  3. Brutpflege · Wochen bis Monate

    Die Mutter hört auf zu fressen

    Ab jetzt weicht die Mutter nicht mehr von den Eiern. Sie fächelt ihnen frisches, sauerstoffreiches Wasser zu, putzt sie und verteidigt sie gegen jeden Eindringling. Gefressen wird nichts mehr – je nach Wassertemperatur wochen- bis monatelang.

  4. Schlupf

    Winzlinge im Plankton

    Die Jungen sind beim Schlüpfen nur wenige Millimeter groß. Sie treiben zunächst im freien Wasser, bevor sie sich am Meeresboden niederlassen. Nur ein winziger Bruchteil überlebt.

    Durchsichtige Eier, in denen kleine Kraken mit großen Augen und gefleckter Haut zu sehen sind
    Kurz vor dem Schlupf: Pazifische Riesenkraken im Ei. Augen und Farbzellen sind schon gut zu erkennen. Foto: NOAA · gemeinfrei
  5. Abschied

    Das Ende der Mutter

    Kurz nachdem die Jungen geschlüpft sind, stirbt die Mutter. Gesteuert wird das von einer Hormondrüse nahe den Augen, der optischen Drüse: Forscher fanden heraus, dass sie nach der Eiablage ein regelrechtes Abschaltprogramm startet.

Rekord · 53 Monate

Die geduldigste Mutter der Welt

Vor der Küste Kaliforniens beobachteten Forscher in 1.400 Metern Tiefe ein Tiefsee-Krakenweibchen, das seine Eier 53 Monate lang bewachte – über vier Jahre, ohne zu fressen. So lange brütet kein anderes bekanntes Tier.

Lebensdauer · meist 1–2 Jahre

Schlau, aber nicht alt

Trotz ihrer Intelligenz werden die meisten Kraken nur ein bis zwei Jahre alt. Der Pazifische Riesenkrake schafft drei bis fünf. Viel Zeit, um aus Erfahrung zu lernen, bleibt ihnen also nicht – vieles müssen sie sich allein erschließen.

Einzelgänger mit Ausnahmen

Octopolis und Octlantis

Eigentlich leben Kraken allein. Doch in der Jervis Bay in Australien entdeckten Forscher zwei Stellen, an denen jeweils mehr als ein Dutzend „Düstere Kraken“ dicht an dicht wohnen. Die Siedlungen bekamen die Spitznamen Octopolis und Octlantis.

Papierboot

Der Arm, der allein losschwimmt

Beim Papierboot, einem Verwandten der Kraken, löst sich der Liebes-Arm des Männchens sogar ganz ab und schwimmt allein zum Weibchen. Frühe Naturforscher hielten ihn deshalb für einen Parasiten.

Mensch & Krake

Neugierige Nachbarn

Je mehr wir über Kraken lernen, desto mehr fragen sich Menschen, wie wir mit ihnen umgehen sollten. In den letzten Jahren hat sich dabei einiges bewegt.

  • 2022

    erkannte Großbritannien Kraken, Tintenfische und Kalmare per Gesetz als empfindungsfähige Tiere an – neben Wirbeltieren sowie Krebsen und Hummern.

  • 2024

    verbot der US-Bundesstaat Washington als erster Ort der Welt Oktopus-Farmen. Kalifornien folgte im selben Jahr und untersagt sogar den Verkauf von Zucht-Kraken.

  • 2026

    zog ein spanischer Konzern seine Pläne für die erste kommerzielle Oktopus-Farm der Welt auf Gran Canaria zurück. Dort sollten jedes Jahr rund eine Million Kraken aufgezogen werden.

Gut zu wissenWie es den meisten Krakenarten in freier Natur geht, ist kaum erforscht – für viele fehlen verlässliche Bestandszahlen. Regional können Bestände durch Überfischung stark schwanken, weil Kraken so kurz leben.

Beim SchnorchelnKraken nicht anfassen und nicht aus ihren Höhlen locken. Und vom Blaugeringelten Kraken mit seinen leuchtenden Ringen immer großen Abstand halten.

Kurioses

Zum Schluss: das Lustige

Nicht alles an Kraken ist Hochleistungsbiologie. Manches ist einfach herrlich absurd.

  • Paul, das Orakel

    Bei der Fußball-WM 2010 wählte Krake Paul im Sea Life Oberhausen vor jedem Spiel der deutschen Mannschaft eine von zwei Futterboxen mit Flaggen. Er lag achtmal hintereinander richtig – inklusive des Finales Spanien gegen die Niederlande.

  • Die große Flucht

    2016 büxte Krake Inky aus dem Nationalaquarium von Neuseeland aus: Er schlüpfte durch einen Spalt im Beckendeckel, kroch über den Boden und verschwand durch ein Abflussrohr ins Meer.

  • Oktopusse, nicht Octopi

    „Octopi“ ist falsch: Das Wort stammt aus dem Griechischen, nicht aus dem Lateinischen. Im Deutschen sagt man einfach „die Oktopusse“ oder „die Kraken“.

  • Wurfgeschosse

    Düstere Kraken in Australien werfen mit Schlick, Algen und Muschelschalen, indem sie sie mit ihrem Wasserstrahl wegschleudern. Manchmal treffen sie dabei auch andere Kraken – ob mit Absicht, wird noch erforscht.

  • Auf zwei Armen

    Manche Kraken tarnen sich als rollende Kokosnuss oder treibende Alge und „laufen“ dabei auf nur zwei Armen rückwärts über den Meeresboden. Die übrigen sechs Arme halten sie eingerollt.

  • Kuschelkraken

    Forscher gaben Kraken 2018 im Labor die Droge MDMA. Die sonst eher ungeselligen Tiere suchten danach auffallend oft den Kontakt zu Artgenossen – ein Hinweis darauf, wie alt manche Gehirn-Botenstoffe sind.

  • Die Monster der Seefahrer

    Der sagenhafte „Kraken“, der ganze Schiffe in die Tiefe zog, stammt aus norwegischen Seemannsgeschichten. Das reale Vorbild war vermutlich eher der Riesenkalmar – nicht der Krake.

  • Arm schmeckt Arm

    Weil Kraken mit den Saugnäpfen schmecken, müssen sie aufpassen, sich nicht selbst festzuhalten. Ihre Haut enthält vermutlich einen chemischen Stoff, der den eigenen Saugnäpfen signalisiert: Das bin ich.

  • Mehr Arme als gedacht?

    Streng genommen haben Kraken acht Arme und keine Tentakel. Tentakel – lange Fangarme mit Saugnäpfen nur an der Spitze – besitzen ihre Verwandten, die Kalmare und Sepien. Der Name dieser Seite schummelt also ein bisschen.

Quellen

Die wichtigsten Belege für Zahlen, Rekorde und Studien auf dieser Seite. Geprüft im September 2026.

  1. van Giesen et al. (2020): Molecular basis of chemotactile sensation in octopus. Cell.
  2. Ramirez & Oakley (2015): Eye-independent, light-activated chromatophore expansion (LACE) and expression of phototransduction genes in the skin of Octopus bimaculoides. Journal of Experimental Biology.
  3. Stubbs & Stubbs (2016): Spectral discrimination in color blind animals via chromatic aberration and pupil shape. PNAS.
  4. Finn et al. (2009): Defensive tool use in a coconut-carrying octopus. Current Biology.
  5. Huffard et al. (2005): Underwater bipedal locomotion by octopuses in disguise. Science.
  6. Anderson et al. (2010): Octopuses (Enteroctopus dofleini) recognize individual humans. Journal of Applied Animal Welfare Science.
  7. Medeiros et al. (2021): Cyclic alternation of quiet and active sleep states in the octopus. iScience.
  8. Pophale et al. (2023): Wake-like skin patterning and neural activity during octopus sleep. Nature.
  9. Sampaio et al. (2021): Octopuses punch fishes during collaborative interspecific hunting events. Ecology.
  10. Godfrey-Smith et al. (2022): In the line of fire: debris throwing by wild octopuses. PLOS ONE.
  11. Edsinger & Dölen (2018): A conserved role for serotonergic neurotransmission in mediating social behavior in octopus. Current Biology.
  12. Robison et al. (2014): Deep-sea octopus (Graneledone boreopacifica) conducts the longest-known egg-brooding period of any animal. PLOS ONE.
  13. Wang & Ragsdale (2018): Multiple optic gland signaling pathways implicated in octopus maternal behaviors and death. Journal of Experimental Biology.
  14. Jamieson & Vecchione (2020): First in situ observation of Cephalopoda at hadal depths (Grimpoteuthis sp.). Marine Biology.
  15. UK Parliament (2022): Animal Welfare (Sentience) Act 2022.
  16. Animal Legal Defense Fund: Octopus Farming Ban (Washington) und California Governor Signs Octopus Farming Ban into Law.
  17. The Olive Press (2026): Gran Canaria octopus farm axed.
  18. NPR (2008): The story of an octopus named Otto.