Frack & Flosse

Familie Spheniscidae · fast nur auf der Südhalbkugel

Vögel, die unter Wasser fliegen.

Vor mehr als 60 Millionen Jahren haben Pinguine das Fliegen aufgegeben und dafür das Meer erobert. Sie tauchen tiefer, als der Eiffelturm hoch ist, trinken Salzwasser und brüten im antarktischen Winter. Hier stehen die erstaunlichsten Fakten über sie – und weiter unten ein paar, bei denen man einfach lachen muss.

Arten
18
tiefster Tauchgang
564 m
Spitzentempo
36 km/h
Ein Eselspinguin gleitet mit angelegten Flossen durchs türkisfarbene Wasser
Eselspinguin im Aquarium Bergen: Die Flossen schlagen wie Flügel – nur eben durchs Wasser. Foto: Tor-Egil Farestveit · gemeinfrei
Maximale Tauchtiefen im Vergleich Sporttaucher 40 Meter, Adeliepinguin 180 Meter, Königspinguin rund 425 Meter, Kaiserpinguin 564 Meter. Zum Vergleich hängt der 330 Meter hohe Eiffelturm kopfüber im Wasser. TAUCHTIEFE 564 m 100 m 200 m 300 m 400 m 500 m 600 m Eiffelturm 330 m, kopfüber Sporttaucher · 40 m Adeliepinguin · 180 m Königspinguin · 425 m Kaiserpinguin · 564 m
Maximale gemessene Tauchtiefen. Schon der Königspinguin taucht tiefer, als der Eiffelturm hoch ist – der Kaiserpinguin schafft noch einmal rund 140 Meter mehr.

Körper

Gebaut fürs Meer

Fast jedes Detail am Pinguinkörper beantwortet dieselbe Frage: Wie jagt ein Vogel im eiskalten Ozean – und kommt heil wieder nach oben?

Tarnung

Der Frack ist eine Tarnkappe

Schwarzer Rücken, weißer Bauch – das sieht elegant aus, ist aber vor allem Tarnung. Von oben verschwimmt der dunkle Rücken mit der Tiefe des Meeres, von unten verschmilzt der helle Bauch mit dem Licht an der Oberfläche. Biologen nennen das Gegenschattierung. Seeleoparden und Orcas entdecken einen Pinguin so später – und Fische merken zu spät, dass einer kommt.

VON OBEN dunkel vor dunkel VON UNTEN hell vor hell
Derselbe Pinguin aus zwei Blickwinkeln: Von oben ist er kaum vom dunklen Wasser zu unterscheiden, von unten kaum vom hellen.

Knochen

Schwer wie ein Bleigurt

Flugvögel haben hohle, leichte Knochen. Pinguine dagegen haben massive, dichte Knochen. Was in der Luft ein Nachteil wäre, hilft unter Wasser: Der Körper treibt weniger auf, das Abtauchen kostet weniger Kraft.

Flossen · Wasser ist 800× dichter als Luft

Flügel, die zu Paddeln wurden

Die Flügelknochen sind abgeflacht und an Ellbogen und Handgelenk fast steif. Unter Wasser schlagen Pinguine damit wie andere Vögel in der Luft – nur in einem Medium, das rund 800-mal dichter ist. Sie fliegen also tatsächlich, nur eben durchs Meer.

Salzdrüse

Eine eingebaute Entsalzungsanlage

Über den Augen sitzt eine Drüse, die überschüssiges Salz aus dem Blut filtert. Die konzentrierte Salzlösung tropft aus den Nasenlöchern. Deshalb können Pinguine Meerwasser trinken, ohne krank zu werden.

Gefieder

Ein Taucheranzug aus Federn

Kurze, steife Federn überlappen wie Dachziegel, darunter sitzen Daunen und eine Fettschicht. Mit Öl aus einer Drüse am Schwanzansatz fetten Pinguine ihr Gefieder regelmäßig ein. So bleibt die Haut auch bei stundenlangen Jagden trocken.

Schnabel

Widerhaken statt Zähne

Pinguine haben keine Zähne. Dafür sind Zunge und Gaumen mit nach hinten gerichteten, hornigen Stacheln besetzt. Einmal geschnappt, rutscht kein glitschiger Fisch mehr heraus – er kann nur noch in eine Richtung: nach unten.

Augen

Scharfer Blick unter Wasser

Pinguine haben eine sehr flache Hornhaut. Dadurch sehen sie unter Wasser scharf, wo Menschen ohne Taucherbrille nur Schlieren erkennen. Besonders empfindlich sind ihre Augen für Blau- und Grüntöne – genau die Farben, die in der Tiefe noch ankommen.

Tauchen

Rekorde unter Wasser

An Land watscheln sie, im Wasser werden sie zu Torpedos. Kein anderer Vogel taucht so tief und so lange.

Delfinschwimmen

Atmen im Sprung

Wenn es schnell gehen muss, springen viele Pinguine in flachen Bögen aus dem Wasser, holen dabei Luft und tauchen sofort wieder ein. So müssen sie zum Atmen nicht abbremsen. Aus der Ferne sieht eine Gruppe dann aus wie eine Schule kleiner Delfine – daher der Name.

Eine Gruppe Adeliepinguine springt beim Schwimmen in flachen Bögen aus dem Wasser
Adeliepinguine beim Delfinschwimmen vor der Küste der Antarktis. Foto: Jason Auch · CC BY 2.0

Tauchtiefe · 564 m

Tiefer als jeder andere Vogel

Der tiefste je gemessene Tauchgang eines Kaiserpinguins führte auf 564 Meter. Dort unten ist es stockdunkel, und auf dem Körper lastet ein Druck von rund 57 bar – 57-mal so viel wie an der Oberfläche.

Luft anhalten · über 20 min

Luft anhalten, Motor drosseln

Kaiserpinguine bleiben über 20 Minuten unter Wasser. Beim Tauchen schlägt ihr Herz deutlich langsamer, weniger wichtige Organe werden kaum noch durchblutet. Den Sauerstoff speichern sie vor allem im Blut und in den Muskeln, nicht in der Lunge.

Tempo · 36 km/h

Der Sprinter heißt Eselspinguin

Im kurzen Sprint erreichen Eselspinguine rund 36 km/h und sind damit die schnellsten Pinguine. Auf langen Strecken lassen es die meisten Arten ruhiger angehen: etwa 5 bis 10 km/h.

Blasenturbo

Schneller durch Luftbläschen

Kaiserpinguine speichern Luft im Gefieder. Kurz bevor sie aufs Eis springen, lassen sie sie als feinen Bläschenschleier ab. Der verringert die Reibung, und sie schießen deutlich schneller als sonst aus dem Wasser – weg von den Seeleoparden, die an der Eiskante lauern.

Ballast

Steine im Magen

In den Mägen vieler Pinguine finden Forscher Kieselsteine. Wozu sie dienen, ist nicht ganz geklärt: vielleicht als Ballast beim Tauchen, vielleicht als Mahlwerk, das harte Krebspanzer zerkleinert.

Langstrecke

Tausende Kilometer schwimmend

Nach der Brutzeit ziehen Magellan-Pinguine von Patagonien die südamerikanische Küste hinauf, manche bis nach Brasilien. Die Reise führt über mehrere tausend Kilometer – fast vollständig im Wasser.

Kaiserwinter

Brüten in der Polarnacht

Der Kaiserpinguin ist der einzige Vogel, der im antarktischen Winter brütet – auf dem Meereis, in monatelanger Dunkelheit, bei bis zu −40 °C und eisigen Stürmen. Ein Brutjahr im Zeitraffer:

  1. März – April

    Der Marsch

    Die Tiere verlassen das Meer und laufen oder rutschen zur Kolonie, oft 50 bis 120 Kilometer über das Eis. Dort finden sich die Paare – meist nur für diese eine Saison.

  2. Mai – Juni

    Die Übergabe

    Das Weibchen legt ein einziges Ei, rund 450 Gramm schwer, und rollt es vorsichtig auf die Füße des Männchens. Liegt es zu lange auf dem Eis, erfriert der Embryo. Dann macht sich das Weibchen auf den langen Weg zum Meer, um zu fressen.

  3. Juni – August · 64 Tage

    Brüten im Dunkeln

    Das Männchen trägt das Ei auf den Füßen, gewärmt von einer Bauchfalte. Es frisst in dieser Zeit nichts: Zusammen mit dem Marsch fastet es rund vier Monate und verliert bis zu 40 Prozent seines Körpergewichts.

  4. Juli – August

    Das Küken schlüpft

    Ist die Mutter noch nicht zurück, füttert der Vater das Küken mit einer fett- und eiweißreichen Absonderung aus der Speiseröhre. Kehrt sie zurück, findet sie Partner und Küken unter Tausenden – allein an der Stimme.

    Ein erwachsener Kaiserpinguin steht neben drei grauen Küken im Schnee
    Der graue Flaum wärmt, ist aber nicht wasserdicht. Ins Meer geht es erst mit dem Erwachsenengefieder. Foto: Dafna Ben Nun · CC BY-SA 4.0
  5. Dezember – Januar

    Ab ins Meer

    Wenn das Meereis im Sommer aufbricht, haben die Jungen ihr wasserdichtes Gefieder. Das offene Wasser liegt jetzt nah an der Kolonie: Zeit für den ersten Sprung.

Kuschelgruppe · bis 37 °C

Der wandernde Wärmeklumpen

Bei Sturm drängen sich Tausende Kaiserpinguine eng aneinander. Innen kann es über 37 °C warm werden – so warm, dass manche Tiere kurz heraustreten, um abzukühlen. Die Gruppe ist ständig in Bewegung: In langsamen Wellen rücken die Tiere vom kalten Rand nach innen und wieder hinaus.

Stimme

Ein Ruf, zwei Töne

Kaiser- und Königspinguine bauen keine Nester, es gibt also keinen festen Treffpunkt. Ihr Stimmorgan erzeugt zwei Töne gleichzeitig, deren Überlagerung ein unverwechselbares Klangmuster ergibt. Daran erkennen sich Partner und Küken selbst im Getöse der Kolonie.

Mauser · 2–5 Wochen

Einmal im Jahr: alles neu

Pinguine tauschen ihr gesamtes Gefieder auf einmal aus. Während dieser „Katastrophenmauser“ sind sie nicht wasserdicht, können nicht jagen und müssen an Land ausharren. Vorher fressen sie sich deshalb dicke Reserven an.

Füße

Eisfüße mit Wärmetauscher

In den Beinen liegen Arterien und Venen dicht beieinander. Das warme Blut auf dem Weg nach unten gibt seine Wärme an das kalte Blut ab, das zurückfließt. So bleiben die Füße kühl genug, um kaum Wärme zu verlieren, aber warm genug, um nicht zu erfrieren. Außerdem kippen Kaiserpinguine oft auf Fersen und Schwanz, damit möglichst wenig Fuß das Eis berührt.

Arten

Nicht alle leben im Eis

Bei Pinguinen denken die meisten an die Antarktis. Doch die Mehrheit der 18 Arten (je nach Zählweise 17 bis 20) lebt an gemäßigten Küsten – in Südafrika, Australien, Neuseeland und Südamerika. Acht davon im Größenvergleich:

100 cm
50 cm

Pinguin antippen für den Steckbrief · Größen gerundet, typische erwachsene Tiere

Zwei erwachsene Kaiserpinguine mit einem grauen Jungtier im Schnee
Foto: Ian Duffy · CC BY 2.0

Kaiserpinguin

Aptenodytes forsteri

Größe
ca. 115 cm
Gewicht
22–45 kg
Lebensraum
Antarktis, auf dem Meereis
Rote Liste
stark gefährdet

Der größte Pinguin und der einzige Vogel, der im antarktischen Winter brütet. Das Männchen trägt das Ei rund 64 Tage auf den Füßen.

Antarktis

Nur zwei sind echte Antarktiker

Ausschließlich in der Antarktis brüten nur zwei Arten: Kaiser- und Adeliepinguin. Esels- und Zügelpinguine kommen zusätzlich auf subantarktischen Inseln vor – die meisten Arten aber nie auch nur in die Nähe des Südpols.

Äquator · 0°

Ein Pinguin auf der Nordhalbkugel

Der Galápagos-Pinguin lebt direkt am Äquator, ein Teil seiner Kolonien liegt sogar knapp nördlich davon. Möglich macht das kaltes, nährstoffreiches Wasser, das dort aus der Tiefe aufsteigt.

Wüste

Brüten an der Wüstenküste

Humboldt-Pinguine leben an den trockenen Küsten von Peru und Chile. Ihre Bruthöhlen graben sie traditionell in jahrhundertealte Schichten aus Vogelkot, den Guano. Den Fisch liefert der kalte Humboldtstrom, nach dem sie benannt sind.

Urzeit · rund 150 kg

Riesen der Vorzeit

Vor rund 57 Millionen Jahren lebte im heutigen Neuseeland Kumimanu fordycei. Forscher schätzen sein Gewicht auf rund 150 Kilogramm – mehr als dreimal so viel wie ein heutiger Kaiserpinguin.

Bedrohung

Unter Druck

Pinguine haben über 60 Millionen Jahre Eiszeiten und Warmzeiten überstanden. Mit dem Tempo, in dem sich ihre Welt heute verändert, kommen viele Arten aber nicht mit.

  • über 50 %

    der Pinguinarten stehen auf der Roten Liste der IUCN als gefährdet, stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Seit April 2026 gehört auch der Kaiserpinguin dazu: Er gilt jetzt als stark gefährdet.

  • < 10.000

    Brutpaare des Brillenpinguins gibt es noch. Seit 2024 gilt er als vom Aussterben bedroht – vor allem, weil ihm Sardinen und Sardellen fehlen.

  • 4 von 5

    Kaiserpinguin-Kolonien in der Bellingshausensee zogen 2022 vermutlich kein einziges Küken groß: Das Meereis brach auf, bevor die Jungen wasserdicht waren.

Was hilftGroße Meeresschutzgebiete wie im Rossmeer, Fangverbote rund um Brutkolonien, schonender Krill- und Fischfang – und vor allem weniger Treibhausgase. Denn ohne stabiles Meereis kann der Kaiserpinguin nicht brüten.

Kurioses

Zum Schluss: das Lustige

Nicht alles an Pinguinen ist Hochleistungsbiologie. Manches ist einfach herrlich absurd.

  • Kot unter Hochdruck

    Adelie- und Zügelpinguine verlassen fürs Geschäft nicht das Nest. Sie schießen den Kot einfach bis zu 40 Zentimeter weit über den Rand. Zwei Forscher haben den nötigen Druck berechnet – und dafür 2005 den Ig-Nobelpreis bekommen.

  • Aus dem All zu sehen

    Pinguinkolonien findet man per Satellit: an den riesigen braunen Kotflecken auf dem Eis. So wurden schon mehrere bis dahin unbekannte Kaiserpinguin-Kolonien entdeckt.

  • Steinreich

    Für Adeliepinguine sind Kieselsteine kostbar, denn ein erhöhtes Nest schützt die Eier vor Schmelzwasser. Entsprechend beliebt ist Steinklau beim Nachbarn – immer dann, wenn der gerade nicht hinsieht.

  • Heiratsantrag mit Kiesel

    Männliche Eselspinguine suchen den schönsten Stein, den sie finden können, und legen ihn der Auserwählten vor die Füße. Wird er angenommen, landet er im gemeinsamen Nest.

  • Nur salzig und sauer

    Pinguinen fehlen funktionierende Gene für süß, bitter und umami. Schlimm ist das nicht: Sie schlucken ihre Beute ohnehin in einem Stück herunter.

  • Sir Nils Olav, Generalmajor

    Seit 1972 ist ein Königspinguin im Zoo von Edinburgh Maskottchen der norwegischen Königsgarde. Der Titel wandert von Pinguin zu Pinguin weiter – samt Ritterschlag (2008) und Beförderung zum Generalmajor (2023).

  • Eisbär? Nie gesehen.

    Eisbären leben in der Arktis, Pinguine fast ausschließlich auf der Südhalbkugel. In freier Natur begegnen sich die beiden nie – Weihnachtskarten hin oder her.

  • 10.000 Nickerchen am Tag

    Zügelpinguine schlafen mehr als 10.000-mal täglich, jeweils nur etwa vier Sekunden lang. Zusammengerechnet kommen sie so auf rund elf Stunden Schlaf.

  • Geliehener Name

    „Pinguin“ hieß ursprünglich ein ganz anderer Vogel: der Riesenalk aus dem Nordatlantik. Seefahrer übertrugen den Namen auf die ähnlich aussehenden Vögel im Süden. Der echte Riesenalk ist seit 1844 ausgestorben.