Bartenwal
Blauwal
Balaenoptera musculus
- Länge
- bis 30 m
- Gewicht
- bis ca. 150 t
Das größte bekannte Tier, das je gelebt hat. Schon ein neugeborenes Kalb ist rund sieben Meter lang und nimmt anfangs täglich etwa 90 Kilogramm zu.
Cetacea · rund 90 Arten · alle Ozeane
Wale stammen von Landtieren ab, atmen Luft wie wir und säugen ihre Jungen – und doch beherrschen sie die Ozeane wie keine andere Tiergruppe. Hier stehen die erstaunlichsten Fakten über Wale. Und am Rand ein paar, über die man schmunzeln muss.
Arten
Wale teilen sich in zwei große Gruppen. Bartenwale wie Blau- und Buckelwal filtern mit Hornplatten winzige Beute aus dem Wasser. Zahnwale – zu ihnen gehören auch alle Delfine – jagen mit Zähnen und orten ihre Beute per Echo.
Bartenwal
Balaenoptera musculus
Das größte bekannte Tier, das je gelebt hat. Schon ein neugeborenes Kalb ist rund sieben Meter lang und nimmt anfangs täglich etwa 90 Kilogramm zu.
Bartenwal
Megaptera novaeangliae
Hat die längsten Brustflossen aller Wale – bis zu fünf Meter, rund ein Drittel der Körperlänge. Daher der Name Megaptera: „große Flügel“.
Zahnwal
Physeter macrocephalus
Der größte Zahnwal besitzt das schwerste Gehirn im ganzen Tierreich – rund acht Kilogramm. Er jagt Kalmare in mehr als 1.000 Metern Tiefe.
Zahnwal
Orcinus orca
Eigentlich der größte Delfin. Jede Orca-Gruppe hat eigene Jagdtechniken und einen eigenen Ruf-„Dialekt“, den die Jungen von den Älteren lernen.
Zahnwal
Monodon monoceros
Der „Stoßzahn“ ist ein spiralig gewachsener Zahn aus dem Oberkiefer, bis zu drei Meter lang. Meist tragen ihn nur die Männchen.
Zahnwal
Phocoena phocoena
Der einzige Wal, der in den deutschen Gewässern von Nord- und Ostsee heimisch ist. In der zentralen Ostsee sind nur noch rund 500 Tiere übrig.
Körper
Wale sehen aus wie Fische, sind aber durch und durch Säugetiere: Sie atmen Luft, sind warmblütig und säugen ihre Jungen. Ihr Körper erzählt noch heute von ihren Vorfahren an Land.
Bestimmen
Der „Blas“ ist keine Wasserfontäne, sondern warme Atemluft, die über dem kühleren Meer kondensiert – vermischt mit etwas Schleim und Meerwasser. Walbeobachter erkennen die Art oft schon an seiner Form. Tippe auf einen Blas.
BlauwalSenkrechte Säule, bis 9 m
Eine schmale, senkrechte Säule, bis zu neun Meter hoch – so hoch wie ein dreistöckiges Haus. Bei ruhigem Wetter ist sie kilometerweit zu sehen.
Atmung · bis 90 %
Wale atmen durch ein Blasloch oben auf dem Kopf – Bartenwale haben zwei, Zahnwale eines. Mit einem einzigen Atemzug tauschen sie bis zu 90 Prozent der Luft in ihrer Lunge aus; Menschen schaffen in Ruhe nur einen kleinen Bruchteil davon.
Schwanzflosse
Fische schlagen ihre senkrechte Schwanzflosse seitlich. Wale haben eine waagerechte Fluke und schwimmen mit Auf-und-ab-Bewegungen – ein Erbe ihrer Vorfahren, die an Land liefen und dabei die Wirbelsäule auf und ab bogen.
Vorfahren · rund 50 Mio. Jahre
Vor rund 50 Millionen Jahren lebten die Vorfahren der Wale als vierbeinige Landtiere an Flussufern. Ihre nächsten heute lebenden Verwandten sind die Flusspferde.
Flossen
Im Inneren der Brustflossen stecken Oberarm, Unterarm und Fingerknochen – dieselben Knochen wie in unserer Hand. Und tief im Körper tragen viele Wale noch winzige Reste eines Beckens.
Blubber · bis 50 cm
Statt Fell wärmt eine dicke Speckschicht, der Blubber. Beim Grönlandwal ist sie bis zu einem halben Meter dick. Sie isoliert, speichert Energie für lange Fastenzeiten und hilft beim Auftrieb.
Schlaf
Weil Wale bewusst atmen müssen, können sie nicht einfach tief schlafen. Delfine lassen immer nur eine Gehirnhälfte ruhen; die andere bleibt wach und sorgt dafür, dass sie rechtzeitig zum Luftholen auftauchen.
Tiefe & Klang
In der Tiefe ist es dunkel, Licht reicht nur ein paar hundert Meter weit. Wale verlassen sich deshalb auf ihr Gehör – und auf Stimmen, die ganze Ozeane durchqueren.
Tauchtiefen im Vergleich
Rekordwerte aus Messungen mit Sendern. Grau: Vergleichswerte außerhalb der Wale.
Tauchrekord · 2.992 m · 222 min
Der Cuvier-Schnabelwal hält beide Rekorde: Ein Tier tauchte fast drei Kilometer tief, ein anderes blieb 3 Stunden und 42 Minuten unter Wasser – mit einem einzigen Atemzug.
Echoortung
Zahnwale stoßen Klicklaute aus und lauschen auf das Echo. So „sehen“ sie Beute und Hindernisse in völliger Dunkelheit – Delfine spüren damit sogar Fische auf, die sich im Sand vergraben haben.
Lautstärke · rund 230 dB
Die Klicks des Pottwals erreichen unter Wasser rund 230 Dezibel. Kein anderes bekanntes Tier erzeugt einen lauteren Laut. Mit ihnen ortet er Kalmare in der Tiefsee.
Gesang
Männliche Buckelwale singen stundenlang komplexe Lieder aus wiederkehrenden Strophen. Alle Männchen einer Region singen dasselbe Lied – und neue Lieder verbreiten sich wie Hits von Population zu Population quer über den Pazifik.
Namen
Große Tümmler entwickeln einen eigenen Erkennungspfiff. Andere Delfine ahmen ihn nach, um ein bestimmtes Tier anzusprechen – ganz ähnlich wie einen Namen.
Tiefe Töne · Hunderte km
Blau- und Finnwale rufen in so tiefen Tönen, dass Menschen sie kaum hören können. Unter Wasser tragen diese Rufe Hunderte Kilometer weit.
Fressen
Die größten Tiere der Erde ernähren sich von einigen der kleinsten. Andere Wale jagen im Team, in der Tiefsee oder mit Tricks, die sie von ihren Müttern lernen.
Teamarbeit
Buckelwale jagen oft gemeinsam: Ein Wal schwimmt in einer Spirale unter einem Fischschwarm und bläst dabei einen Ring aus Luftblasen. Die Fische drängen sich in diesem „Netz“ zusammen – dann schießen die Wale mit weit offenem Maul von unten hindurch.
Barten
Bartenwale haben keine Zähne, sondern Hunderte Hornplatten im Oberkiefer – die Barten. Sie bestehen aus Keratin, demselben Stoff wie unsere Fingernägel, und sieben Krill und kleine Fische aus dem Wasser.
Krill · bis 16 t am Tag
In der Fresssaison verschlingt ein Blauwal Schätzungen zufolge bis zu 16 Tonnen Krill am Tag – winzige Krebstierchen, kaum größer als eine Büroklammer.
Schluckfressen
Beim Fressen schießt ein Blauwal mit offenem Maul in einen Krillschwarm. Seine Kehlfalten dehnen sich wie ein Akkordeon, und er nimmt eine Wassermenge auf, die größer ist als sein eigener Körper. Dann presst er das Wasser durch die Barten wieder hinaus.
Kultur
Orcas verschiedener Regionen jagen völlig unterschiedlich. Manche fressen nur Lachs, andere Robben. In der Antarktis erzeugen sie gemeinsam Wellen, die Robben von Eisschollen spülen; in Patagonien werfen sie sich an den Strand, um Seelöwen zu fangen.
Tiefseejagd
Pottwale jagen in der Tiefsee Kalmare, darunter auch Riesenkalmare. Kreisrunde Narben von Saugnäpfen auf ihrer Haut erzählen von diesen Begegnungen.
Walfall
Stirbt ein Wal, sinkt er auf den Meeresgrund. Dort ernährt sein Körper über Jahrzehnte eine ganz eigene Lebensgemeinschaft – von Schleimaalen und Krabben bis zu Würmern, die sich von den Knochen ernähren.
Familie
Viele Wale legen jedes Jahr Tausende Kilometer zurück, um zu fressen und ihre Jungen zur Welt zu bringen. Manche leben ihr ganzes Leben lang in derselben Familie.
Kinderstube
Wal-Kälber kommen meist mit der Schwanzflosse voran zur Welt und werden sofort zur Oberfläche geschoben, um zu atmen. Die Muttermilch ist extrem fettreich – bis zu 50 Prozent Fett, so zäh wie Zahnpasta. So verteilt sie sich nicht im Wasser, bevor das Kalb sie trinkt.
Juni – September
In den nährstoffreichen Gewässern vor Alaska fressen sich die Buckelwale satt – bis zu einer Tonne Nahrung am Tag. Sie legen die Speckreserven für den Rest des Jahres an.
Oktober – Dezember
Rund 5.000 Kilometer geht es nach Süden bis nach Hawaii. Die Reise dauert etwa vier bis acht Wochen.
Januar – März
In warmen, flachen Gewässern kommen die Kälber zur Welt, und die Männchen singen um die Weibchen. Gefressen wird hier kaum – die Wale leben monatelang von ihrem Blubber.
April – Mai
Mütter mit Kälbern brechen meist als Letzte auf. Das Kalb hat inzwischen genug Speck für die lange Reise angesetzt.
Großmütter
Orca-Weibchen bekommen ab etwa 40 keine Jungen mehr, leben aber oft noch Jahrzehnte weiter. Die erfahrenen Großmütter führen ihre Familie zu den Lachsgründen – besonders in mageren Jahren.
Lebensdauer · über 200 Jahre
Grönlandwale können über 200 Jahre alt werden. In einigen Tieren fand man sogar Harpunenspitzen aus dem 19. Jahrhundert.
Rekordreise · rund 22.000 km
Ein Grauwal-Weibchen namens Varvara schwamm 2015 von der Küste Russlands bis nach Mexiko und wieder zurück – rund 22.000 Kilometer, eine der längsten bekannten Wanderungen eines Säugetiers.
Fluke
Die Unterseite der Buckelwal-Fluke trägt ein einzigartiges Muster aus Schwarz, Weiß und Narben. Forscher erkennen einzelne Tiere daran über Jahrzehnte wieder – aus Tausenden von Fotos.
Schutz
Im 20. Jahrhundert brachte der industrielle Walfang viele Arten an den Rand des Aussterbens. Heute sind es vor allem Fischernetze, Schiffe, Lärm und die Erwärmung der Meere.
Wale wurden im 20. Jahrhundert durch kommerziellen Walfang getötet. Vom Blauwal blieb in der Antarktis nur ein winziger Bruchteil übrig.
trat das weltweite Verbot des kommerziellen Walfangs in Kraft. Einige wenige Länder jagen trotzdem bis heute weiter.
Kalifornische Schweinswale – Vaquitas – zählten Forscher 2025 noch. Sie ertrinken als Beifang in illegalen Stellnetzen und sind der seltenste Wal der Welt.
HoffnungViele Buckelwal-Bestände haben sich seit dem Fangverbot kräftig erholt; im Südwestatlantik sind es inzwischen fast wieder so viele wie vor dem Walfang. Schutz wirkt – wenn man ihn lange genug durchhält.
Vor unserer HaustürIn der zentralen Ostsee leben nur noch rund 500 Schweinswale. Wer an der Küste einen sieht, kann die Sichtung melden, etwa beim Deutschen Meeresmuseum in Stralsund – jede Meldung hilft der Forschung.
Kurioses
Nicht alles an Walen ist ehrfurchtgebietend. Manches ist einfach herrlich absurd.
Als 1970 an der Küste Oregons ein toter Pottwal strandete, sprengte ihn die Straßenbehörde mit einer halben Tonne Dynamit. Statt zu verschwinden, regneten Speckbrocken auf Zuschauer und parkende Autos.
Im Darm von Pottwalen entsteht Ambra, eine wachsartige Masse. Frisch riecht sie nach Kot, gealtert süßlich-erdig. Sie war einst eine begehrte Parfümzutat und ist bis heute sehr wertvoll.
Im Mittelalter verkauften Händler Narwalzähne als Horn des Einhorns – teurer als ihr Gewicht in Gold. Sie sollten angeblich vor Gift schützen.
Bartenwale bilden im Lauf ihres Lebens einen Ohrenschmalz-Pfropfen mit Jahresschichten wie Baumringe. Daraus lassen sich Alter und sogar Stresshormone ablesen.
Seit 1989 hören Forscher einen Wal, der auf 52 Hertz ruft – viel höher als Blau- und Finnwale, denen sein Ruf sonst ähnelt. Gesehen hat ihn noch niemand.
Das Walross ist mit Robben verwandt, nicht mit Walen. Und „Walfisch“ ist auch falsch – Wale sind schließlich Säugetiere.
Blau-, Finn- und Pottwale können Sonnenbrand bekommen. Forscher fanden bei ihnen Hautschäden durch UV-Licht – je heller die Haut, desto mehr.
Buckelwale stören immer wieder Orcas bei der Jagd – auch wenn die Beute eine Robbe oder ein ganz anderes Tier ist. Warum sie das tun, ist bis heute ein Rätsel.
Seit 2020 stoßen Orcas vor Spanien und Portugal immer wieder gegen die Ruder von Segelbooten. Spiel, Neugier oder etwas anderes? Forscher rätseln noch.